Fastenwandern ist Wandern beim Fasten. Also eigentlich ganz einfach. Warum es trotzdem viel mehr ist, als nur gleichzeitiges Fasten und Wandern, werden wir im folgenden Artikel beleuchten.

Was ist Fastenwandern?

Das Fastenwandern verbindet das Fasten mit dem Wandern. Zum reinen Fasten kommt hier eine moderate Bewegung an frischer Luft hinzu. Theoretisch kann jeder gesunde Mensch allein oder mit Freunden während einer Fastenphase seine Wanderschuhe schnüren und fastenwandern. Allerdings profitieren besonders Anfänger, die das erste Mal fasten, von einer kompetenten und liebevollen Betreuung. Ein professioneller Begleiter weiß, wie es dem Fastenden geht, motiviert bei Fastenkrisen und kann bei Fragen aus seinem reichen Erfahrungsschatz schöpfen.

Außerdem macht das Fastenwandern in der Gruppe viel mehr Spaß, es ist ein besonderes Erlebnis, gemeinsame (Fasten-) Erfahrungen zu teilen, zusammen in der Natur unterwegs zu sein und trotzdem zu sich selbst zu finden.

Während des Fastens ist der Körper von der Verdauungsarbeit befreit, die normalerweise ca. 30% seiner Energie benötigt. Der Körper schaltet in den Fettstoffwechsel. Dies bedeutet, dass die Energie, die der Körper benötigt, fast ausschließlich aus den eigenen Fettreserven gebildet wird. Die Sinne sind geschärft, so dass die Natur mit ihren Schönheiten, die gute Luft und die Sonne ganz unverfälscht genossen werden können.

Die Vorteile des Fastenwanderns!

Das Fastenwandern kombiniert das Fasten, also das freiwillige Nicht- oder Wenigessen mit Bewegung, Sonne, frischer Luft und Natur.

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Zusätzlich zu den positiven Auswirkungen des Fastens wie zum Beispiel

ergeben sich durch das Wandern noch zahlreiche weitere Vorteile:

  • Die körperliche Aktivität hat auf alle Vorgänge im Körper eine positive Wirkung. Die Durchblutung wird angeregt. Die Muskulatur wird aktiviert, das Herz-Kreislauf-System wird trainiert.
  • Die zusätzliche Bewegung führt dazu, dass der Körper durch den höheren Energieverbrauch eher auf den Fettstoffwechsel umstellt, Die Fettverbrennung kommt also frühzeitiger in Gang, was eine Gewichtsabnahme fördert.
  • Da bei der Fettverbrennung ausreichend Sauerstoff benötigt wird, wird beim Fasten mit Bewegung an frischer Luft wünschenswerterweise vor allem Fett abgebaut und wenig von der Muskelmasse angetastet.
  • Außerdem wird durch die verstärkte Atmung Säure abgeatmet, was zu einem ausgeglichenen Säuren-Basen-Haushalt beiträgt.
  • Durch Bewegung wird darüber hinaus Wärme erzeugt.
  • Bei Personen mit einer Glukoseintoleranz (Prädiabetes – Vorstufe von Diabetes Typ 2) kann eine Kombination von Kalorienrestriktion und körperlicher Betätigung die Häufigkeit des Auftretens von Diabetes verringern [2].
  • Insgesamt steigert das Wandern während des Fastens das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein.

Die Geschichte des Fastenwanderns

Fastenwandern gibt es schon so lange, wie es Menschen gibt. Auf der Suche nach Nahrung streiften sie durch die Gegend, um Tiere zu jagen oder Beeren und Pflanzen zu sammeln. Oft fanden sie, vor allem im Winter, nur wenig oder keine Nahrung. Dieser Nahrungsmangel war zwar nicht freiwillig, es erklärt aber, warum unser Körper genetisch darauf programmiert ist, zeitweise Hungerphasen ohne Probleme zu überstehen und darüber hinaus in diesen Hungerzuständen leistungsfähig und fokussiert zu bleiben. Denn in früheren Zeiten war es einfach überlebensnotwendig, ausreichend motiviert und energiegeladen zu sein, um auch mit leerem Magen auf die Jagd zu gehen.

Der schwedische Zahnarzt Dr. Lennart Edrèn initiierte 1953 die ersten Fasten-Märsche. Er selber konnte durch das Fasten große Erfolge erzielen. Seit seiner Jugend litt er unter Eiterbeulen im Gesicht und an der Schulter. Kein Arzt konnte ihm helfen, erst die Umstellung auf eine vegetarische Ernährung und das Fasten brachten die Eiterbeulen zum Verschwinden. Um das Fasten populärer zu machen und um zu zeigen, zu welch großen Leistungen der Körper auch ohne Nahrung fähig ist, plante er einen ersten Fasten-Marsch. Gemeinsam mit einer Gruppe lief er ohne Nahrung 10 Tage lang 520 km von Göteborg nach Stockholm. Damit wollte er auch demonstrieren, dass das Fasten einerseits völlig unschädlich ist und andererseits enorme positive gesundheitliche Effekte aufweist.

Die Fastenwander-Bewegung in Deutschland und Europa wurde durch das Engagement von Christoph Michl, einem Pastor aus Horneburg bei Hamburg ganz entscheidend vorangetrieben. In jungem Erwachsenenalter befiel ihn eine bleierne Müdigkeit. Erst Jahre später konnte er sich von dieser durch eine Umstellung auf eine biologische pflanzliche (Roh-) Kost befreien. In dieser Phase entdeckte er ein Büchlein von Werner Zimmermann mit dem Titel „Heilendes Fasten“, in welchem auch Fasten-Märsche erwähnt wurden. Er fastete nun also nicht nur, sondern fing auch an, Fasten-Märsche zu planen.

Seine erste Gruppenfastenwanderung führte er 1984 im Schwarzwald durch. Er ließ sich von Lennart Edrén inspirieren, es war ihm allerdings sehr wichtig nicht an der Straße, sondern in der Natur zu wandern. Außerdem kürzte er die Tagesetappen auf ungefähr die Hälfte.

Anfangs fand er schwerlich Mitstreiter. Fasten hatte noch keinen guten Ruf und wurde sogar vom Kneipp-Landesverband Niedersachsen als gesundheitsschädlich erklärt. Christoph Michl machte unbeirrt weiter. Bald gab es immer mehr Nachahmer. Das Fastenwandern wurde zu einer Bewegung. Ein Fasten-Wander-Verein zur Förderung der naturgemäßen Lebensweise und der menschlichen Selbstfindung wurde von Michl 1987 gegründet und ist als Dach für die gesamte Fasten-Wander-Szene gedacht [4]. Der Verein möchte die Idee von der Gesundheitsförderung verbreiten und Anbieter und Interessierte zusammenzubringen, zu informieren und zu unterstützen.

Heutzutage werden Fastenwanderungen in zahlreichen verschiedenen Formaten und in fast allen europäischen Ländern angeboten.

Welche verschiedenen Formen des Fastenwanderns gibt es?

Es gibt zahlreiche Varianten des Fastenwanderns. So kann das Wandern mit unterschiedlichen Fastenformen kombiniert werden, denn es gibt viele verschiedene Arten zu fasten. Grundsätzlich werden beim Fasten freiwillig weniger Nahrungsmittel bzw. Kalorien zu sich genommen als zu Nicht-Fasten-Zeiten. Beim klassischen Fasten wie etwa beim Fasten nach Dr. Buchinger gibt es nur flüssige Nahrung wie Obstsäfte und Gemüsesuppen. Beim Basenfasten dürfen geringe Mengen an basenbildenden Lebensmitteln gegessen werden.

Beim Intervallfasten hingegen wird die Zeit der Nahrungsaufnahme eingeschränkt. Es wird also z.B. nur innerhalb eines Zeitrahmens von 8 Stunden gegessen. Es gibt auch Kombinationen wie z.B. das Intervall-Basenfasten. Jede Fastenart kann sehr gut mit dem Wandern kombiniert werden.

Gewandert wird in der Regel in geführten Gruppen. Mittlerweile gibt es auch Online-Angebote mit selbstständigem Wandern. Auch die zusätzlich zum Wandern angebotenen Aktivitäten sind vielfältig. Oft erwartet die Teilnehmer eine Kombination aus Wandern und Entspannungsbewegungen wie Qi Gong, Yoga und Pilates. Die abwechselnden Aktivitäten aus Wandern und z.B. Yoga sind ideal als Begleitung zum Fasten. Die moderaten Ausdauerbewegungen an frischer Luft treffen auf stärkende ruhige und meditative Körperübungen, die dem Fastenden helfen, ins Gleichgewicht und zur inneren Harmonie zu finden.

Darüber hinaus werden durch die Übungen die Muskeln aktiviert und gelockert, die inneren Organe angeregt und massiert, der Darm entspannt, die Durchblutung gefördert und das Herz-Kreislauf-System in Schwung gebracht. Die Ausleitung von Giftstoffen, die im Fastenprozess sehr wichtig ist, wird dadurch beschleunigt. Durch entsprechende Yogastellungen wird auch das körpereigene Hormonsystem stimuliert und ausgeglichen. All diese positiven Einflüsse führen zu einer Reinigung von Körper und Geist, zu einer inneren Harmonie und zu einem spürbaren Wohlbefinden.

Einige Angebote beinhalten zusätzlich Fahrradtouren, so dass auch passionierte Fahrradfahrer auf ihre Kosten kommen.

Wie lange dauert Fastenwandern und wie läuft es ab?

Fastenwander-Interessierte sollten ungefähr eine (reichliche) Woche einplanen. Die meisten angebotenen Veranstaltungen umfassen 5 – 9 Übernachtungen. Aber auch Fastenwandern ohne Übernachtungen wird vereinzelt angeboten.

Wie läuft ein Fastenwandertag normalerweise ab?

Der Fastenleiter berücksichtigt natürlich die Wünsche der Gäste und passt seinen Kurs individuell an seine Gruppe und das Wetter an.

Typischerweise könnte ein Fastenwandertag so ablaufen:

  • Morgens: Morgengang mit (Dehnungs-) Übungen
  • Vormittag: Wanderung oder Übungen (Yoga, Entspannung)
  • 11:00 Uhr: Säfte (Buchinger-Fasten) oder Brunchbuffet (Intervall-Vegan-Basen-Fasten)
  • Mittags: Ruhe, Entspannung, Anwendungen, Leberwickel
  • Nachmittags: Wanderungen, Übungen (Yoga, Pilates, Entspannung), Theorie (Fasten, Intervallfasten, Ernährung), Filme und Videos
  • Abends: Fastenbrühe oder vegan-basisches Buffet mit Suppe und Gemüse
    Fastenrunden, Vorträge, Austausch, Entspannung

Die Länge der Wanderungen unterscheidet sich bei den verschiedenen Anbietern. In der Regel sind die Wandertouren 10 bis 17 km lang und dauern bis zu 4 Stunden. Wichtig sind gute Wanderschuhe und eine gewisse Grundkondition. Und dann kann es losgehen!

 

Wo kann ich fastenwandern?

Es werden unzählige Destinationen zum Fastenwandern in Deutschland und Europa angeboten. Gewandert wird in landschaftlich reizvollen Gegenden wie an der Nord- und Ostsee, in den Bergen, in Wäldern und an Seen. Jede Region hat ihre besonderen Reize. So wirken beim Wandern am Meer die gleichmäßigen, Geräusche machenden Wellen und die Weite des Horizonts sehr meditativ und entspannend.

Wanderungen durch Wälder verbinden uns mit der Natur in besonderem Maße, denn beim Waldbaden werden von den Bäumen bestimmte Duftstoffe, die sogenannten Terpene, abgeben, diese werden von uns eingeatmet und wirken dadurch gesundheitsfördernd und immunstärkend [5].

Eine Wanderung in den Bergen beschenkt uns mit beeindruckenden Panoramen und einer grandiosen Weitsicht. Gewohnt wird in Schlössern, Gutshäusern, Bio-Hotels, Klöstern oder in Gästehäusern. Für jeden ist hier etwas dabei. Es gibt kleine, familiär geführte Hotels inmitten fantastischer Natur, herrschaftliche Gutshäuser mit großzügiger Saunalandschaft und Klöster, die Abgeschiedenheit in jahrhundertealten Gemäuern versprechen. Jede Unterkunft hat ihren besonderen Reiz und macht das Fasten zu einem intensiven Erlebnis.

Ist Fastenwandern für jeden geeignet?

Grundsätzlich kann jeder Gesunde, der mobil ist und eine gewisse Grundkondition mitbringt, fastenwandern.

Die meisten Fastenwilligen wollen fasten, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Übergewicht ist eines der häufigsten gesundheitlichen Probleme unserer Zeit.

Mittlerweile belegen zahlreiche Studien die positiven Effekte des Fastens auf den Körper. Seine therapeutische Wirkung wurde schon am Anfang des 20. Jahrhunderts von den Fastenärzten Dr. Otto Buchinger und Dr. Franz Xaver Mayr untersucht. Besonders bei den folgenden Gesundheitsproblemen bzw. Krankheiten hat sich (Heil-) Fasten bewährt:

  • Reduktion von Übergewicht
  • Vorbeugung von Arteriosklerose
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen
  • Risiko-Reduktion für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen in den Beinen)
  • Magen-Darm-Erkrankungen
  • Allergien und Asthma
  • Venenleiden
  • rheumatische Beschwerden
  • Hauterkrankungen
  • Nierenleiden
  • chronische Kopfschmerzen und Migräne
  • Schlafstörungen
  • psychosomatische Beschwerden

Es gilt aber immer, dass Menschen mit Gesundheitsproblemen die Intention zu fasten mit ihrem Arzt absprechen sollten. Besonders wenn Medikamente eingenommen werden, ist dies zwingend notwendig, da eventuell eine Dosisanpassung notwendig ist.

Fasten kann vielen kranken Menschen helfen oder einfach vorbeugend der Gesunderhaltung dienen. Es gibt aber auch Indikationen, die das Fasten absolut verbieten.

Wer sollte nicht fasten bzw. fastenwandern?

Die Betreuung der Fastenwanderkursen erfolgt in der Regel durch fastenärztlich geprüfte Fastenleiter:innen. Bei (schweren) Vorerkrankungen sollte eine Fastenwanderwoche trotzdem immer mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

  • Kinder und Jugendliche
    Kinder und Jugendliche befinden sich im Wachstum und haben deshalb einen erhöhten Nährstoff- und Energiebedarf. Sie sollten deshalb nicht fasten.
  • Schwangere und stillende Mütter
    Während der Schwangerschaft und der Stillzeit ist der Nährstoffbedarf für die Versorgung des Babys besonders hoch. Eine ausreichende Zufuhr ist während des Fastens nicht gewährleistet.
  • Personen mit schweren Funktionsstörungen der Leber oder der Nieren
    Beide Organe leisten während des Fastens Höchstleistungen. Sind sie nicht funktionsfähig, dann können sie den Körper nicht ausreichend unterstützen.
  • Personen mit Esssucht oder Bulimie
    Diese Personen sollten nur in einer Klinik mit psychologischer Betreuung fasten, sonst besteht die Gefahr, dass sich das bestehende Suchtproblem verstärkt.
  • Altersschwache Menschen, die bereits an Abmagerung leiden
    Eine Fastenkur würde den Organismus noch weiter schwächen
  • Tuberkulose-Patienten, Erkrankte mit fortgeschrittener Krebserkrankung und Personen mit einer Schilddrüsenüberfunktion
    Bei diesen ohnehin schon zehrenden Krankheiten ist der Organismus nicht in der Lage, angemessen auf den Fasten-Reiz zu reagieren und verliert noch mehr an Substanz.
  • Frisch operierte Personen oder Personen, die gerade von einer schweren Infektionskrankheit genesen sind
    Der Körper ist nach einer Operation oder schweren Krankheit sehr geschwächt. Fasten würde ihn noch mehr belasten.

Allen anderen steht einer Fastenwanderwoche mit vielen neuen Erfahrungen nichts entgegen.

Quellen:

[1] Aksungar A.B. et al. Interleukin-6, C-reactive Protein und biochemical Parameters during prolonged intermittent fasting. Annals of Nutrition and Metabolism. 2007, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/17374948/ [2] Hemmingsen et al. ,Diet, physical activity or both for prevention or delay of type 2 diabetes mellitus and its associated complications in people at increased risk of developing type 2 diabetes mellitus. Cochrane Database Syst Rev. 2017, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29205264/ [3] http://www.fasten-wander-verein.de/fasten-wander-verein/vorstellung/index.html [4] Bum Y.P. et al. The physiological effects of Shinrin-yoku (taking in the forest atmosphere or forest bathing): evidence from field experiments in 24 forests across Japan. Environ Health Prev Med. 2010, https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19568835/