Eckhards Blog

In Achtsamkeit Essen

Über die Ruhe des Essens, die Stille am Tisch und Nährung der Seele, des Geistes und des Körpers als Nebentätigkeit

 

Wann hast du zuletzt einfach nur gegessen?

Frühstück und gleichzeitig Nachrichten lesen. Mittagessen am Computer. Ein schneller Snack während eines Telefonats. Abends läuft beim Essen der Fernseher oder wir scrollen noch einmal durch das Handy.

Kommt dir das bekannt vor?

Essen gehört zu unserem Alltag und trotzdem schenken wir ihm häufig erstaunlich wenig Aufmerksamkeit. Wir essen und machen gleichzeitig etwas anderes.

Dabei lohnt sich eine einfache Frage:

Wann hast du zuletzt einfach nur gegessen?

Ohne Handy. Ohne Computer. Ohne Fernseher. Ohne nebenbei noch schnell etwas erledigen zu müssen.

Nur du und deine Mahlzeit.

Unser Gehirn macht nicht wirklich alles gleichzeitig

Wir sprechen gern von Multitasking.

Tatsächlich verarbeitet unser Gehirn mehrere anspruchsvolle Aufgaben aber nicht einfach parallel mit voller Aufmerksamkeit. Vielmehr wechselt unsere Aufmerksamkeit immer wieder zwischen verschiedenen Reizen und Tätigkeiten hin und her.

Eine Nachricht erscheint. Wir lesen. Wir kauen. Wir antworten. Wir schlucken. Der nächste Bissen. Die nächste Nachricht.

Was dabei leicht verloren geht, ist die Wahrnehmung dessen, was wir gerade tun.

Wir schmecken weniger bewusst, nehmen möglicherweise schlechter wahr, wie schnell wir essen, und auch Hunger und Sättigung können leichter in den Hintergrund geraten.

Essen wird zur Nebentätigkeit.

Ablenkung bedeutet zusätzliche Reize

Dabei geht es nicht darum, dass ein Gespräch beim Abendessen oder ein Blick aufs Handy automatisch ungesund wären.

Entscheidend ist vielmehr, einmal wahrzunehmen, wie viele Reize unser Gehirn über den Tag hinweg verarbeitet.

Nachrichten, Termine, Mails, soziale Medien, Arbeit, Gespräche, Probleme und ständig neue Informationen.

Wenn wir selbst während unserer Mahlzeiten weiter konsumieren, lesen, arbeiten und reagieren, bekommt unser System kaum Gelegenheit, herunterzufahren.

Und Stress macht vor unserer Verdauung nicht halt.

Gehirn und Verdauungssystem stehen in ständigem Austausch miteinander. Eine wichtige Rolle spielt dabei unser autonomes Nervensystem. Während der Sympathikus unseren Körper auf Aktivität und Reaktion vorbereitet, steht der Parasympathikus stärker mit Ruhe, Regeneration und Verdauungsprozessen in Verbindung. Daher stammt auch der Ausdruck „Rest and Digest“.

Wie stark Stress tatsächlich auf Magen und Darm wirken kann, schauen wir uns in einem eigenen Beitrag noch genauer an.

Für den Moment reicht eine wichtige Erkenntnis:

Nicht nur was wir essen, sondern auch wie und unter welchen Bedingungen wir essen, verdient unsere Aufmerksamkeit.

Essen wieder bewusst wahrnehmen

Wie sieht dein Essen eigentlich aus? Wie riecht es? Wie schmeckt der erste Bissen? Und verändert sich der Geschmack, wenn du länger kaust?

Das klingt zunächst banal. Ist es aber erstaunlich oft nicht.

Wenn unsere Aufmerksamkeit wieder beim Essen ankommt, nehmen wir Dinge wahr, die im Alltag leicht untergehen.

Und genau hier beginnt bewusstes Essen.

Nicht als komplizierte Methode, sondern zunächst einfach damit, wieder anwesend zu sein bei dem, was wir gerade tun.

Was Dankbarkeit mit Essen zu tun haben kann

In vielen Familien und Kulturen war und ist es selbstverständlich, vor einer Mahlzeit einen Moment innezuhalten.

Manche Menschen sprechen ein Gebet oder segnen ihr Essen. Andere bedanken sich innerlich oder beginnen eine Mahlzeit mit einem kleinen Ritual.

Dafür muss man weder religiös sein noch eine bestimmte Tradition übernehmen.

Der Grundgedanke dahinter ist interessant:

Wir unterbrechen für einen Moment den Alltag und richten unsere Aufmerksamkeit bewusst auf das, was vor uns steht.

Vielleicht möchtest du dir vor dem ersten Bissen einfach einmal bewusst machen:

Dieses Essen nährt mich. Es schenkt meinem Körper Energie und versorgt ihn mit wichtigen Nährstoffen und Baustoffen.

Oder du empfindest einen Moment Dankbarkeit. Für die Lebensmittel, für den Menschen, der gekocht hat, für deinen Körper oder einfach dafür, dass du dir gerade Zeit für eine Mahlzeit nehmen kannst.

Unsere Gedanken und Erwartungen beeinflussen, wie wir Situationen wahrnehmen und erleben. Eine Mahlzeit bewusst und mit einer positiven inneren Haltung zu beginnen, kann sich deshalb ganz anders anfühlen, als sie hastig zwischen zwei Aufgaben zu erledigen.

Es geht nicht darum, jedem Bissen eine besondere Bedeutung geben zu müssen.

Es geht darum, den Unterschied überhaupt einmal wahrzunehmen.

Wie schmeckt Essen eigentlich, wenn wir schweigen?

Eine interessante Erfahrung, die auch in manchen unserer Fastenkurse ausprobiert wird, ist eine Mahlzeit in Stille.

Wenn für eine Weile Gespräche und andere Ablenkungen wegfallen, verändert sich die Aufmerksamkeit.

Plötzlich nehmen wir Gerüche und Konsistenzen bewusster wahr. Wir bemerken, wie schnell wir kauen und wie schnell wir bereits zum nächsten Bissen greifen.

Und vielleicht merken wir sogar, wie ungewohnt es geworden ist, einfach nur zu essen.

Du kannst das ganz einfach selbst ausprobieren:

Eine Mahlzeit lang nicht sprechen. Kein Handy. Kein Radio. Kein Fernseher. Kein Podcast.

Nur essen und beobachten.

Das bedeutet natürlich nicht, dass wir künftig schweigend jede Mahlzeit einnehmen sollen. Gemeinsam essen, lachen, reden und genießen ist genauso wertvoll.

Die stille Mahlzeit ist vielmehr ein kleines Experiment, das uns etwas zeigen kann:

Wir können erst dann bewusst entscheiden, wie wir etwas tun möchten, wenn wir wahrnehmen, wie wir es bisher tun.

Eine Mahlzeit. Deine Aufmerksamkeit.

Wenn du neugierig geworden bist, probiere es in den nächsten Tagen einmal aus.

Nimm dir eine einzige Mahlzeit vor.

Lege dein Handy außer Reichweite und schalte andere Ablenkungen aus.

Bevor du beginnst, halte einen Moment inne. Schau dein Essen an. Nimm seinen Geruch wahr. Vielleicht empfindest du einen Moment Dankbarkeit oder machst dir einfach bewusst:

Diese Mahlzeit darf meinen Körper jetzt nähren und mir Energie schenken.

Dann iss etwas langsamer als sonst. Kaue bewusst. Schmecke. Lege zwischendurch das Besteck ab und beobachte, wann du angenehm satt bist.

Wenn du möchtest, probiere die Mahlzeit sogar vollständig in Stille.

Und anschließend gibt es nur eine Frage:

Was war anders?

Vielleicht hast du intensiver geschmeckt. Vielleicht hast du langsamer gegessen. Vielleicht warst du früher satt. Vielleicht hast du gemerkt, wie oft deine Gedanken abschweifen.

Es geht nicht darum, jede Mahlzeit zu perfektionieren.

Vielleicht bedeutet bewusstes Essen am Ende etwas viel Einfacheres:

wieder mitzubekommen, dass wir gerade essen.

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Über den Autor:

Eckhard Heumeyer
– Ernährungsberater, Yogalehrer, Fastenleiter, Buchautor
 
Meine persönliche Fastenerfahrung beträgt inzwischen über 40 Jahre. Die erste Fastengruppe kam bereits 1986 zusammen.
Durch die Einbindung von körperlichen, theoretischen und entspannenden Elementen (Körper – Geist – Seele) verfolgen meine Seminare einen ganzheitlichen Ansatz, der die Grundlage für eine erfolgreiche Lebensumstellung bildet.