Always-on: das ist der Modus, in dem sich alle Geräte befinden und leider heutzutage auch unser Geist. Der permanente Informationsfluss lässt unser vegetatives Nervensystem nicht zur Ruhe kommen. Nur einen Wisch und die ganze Welt und alle Kontakte sind in Reichweite. Deshalb ist schwer für uns geworden, zur Ruhe zu kommen, ein Leben ohne Smartphone scheint undenkbar. In repräsentativen Umfragen unter Studierenden gaben 78% der Millennials (auch Generation X, um die Jahrtausendwende Geborene) an, dass sie tagsüber stündlich auf ihr Smartphone schauen.

Aber nicht nur die Millennials, auch der Durchschnitt der Deutschen verbringt 90 Minuten am Tag in den sozialen Medien (Quelle Statista).[1] Das sind 560 Minuten in der Woche und 2240 Minuten im Monat. Ganze 1,5 Tage im Monat, die wir nur für Social Media aufwenden. Der weltweite Durchschnitt ist sogar noch um das Doppelte erhöht.

Bekanntlich ist aller Anfang ist schwer, aber diese Zahlen zeigen, dass schon eine halbe Stunde weniger Smartphone-Nutzung am Tag, auf das Jahr verteilt einen großen Unterschied macht.
Verzicht ist in aller Munde, auch in Hinblick auf eine generationengerechte und nachhaltige Welt. Leider ist der Begriff auch negativ behaftet. Doch geht es dabei nicht auch um ein entspanntes, freies Leben unabhängig von Erwartungshaltungen?

Oftmals dienen Influencer als Leitmotive und bedienen unseren heutigen Zeitgeist, indem sie rückwärtsgewandte Rollenbilder, Konsumismus und rigide Körpernormen propagieren.[2]
Wir wollen uns einmal genauer anschauen, welche Auswirkungen ein erhöhter Medienkonsum hat und wie wir dem mit einfachen Maßnahmen und zusätzlichem Fasten entgegensteuern können.

 

Was passiert in unserem Hirn, wenn wir das Smartphone nutzen?
Durch die ständige Social Media-Nutzung wird Dopamin in unserem Gehirn freigesetzt, welches auch als Glückshormon bezeichnet wird. In verschiedenen Hirnscans konnte festgestellt werden, dass dieser Effekt der Hormonausschüttung am größten war, wenn Inhalte der jeweiligen Person über sich selbst gepostet wurden.[3]
Leider sind viele soziale Medien selbstreferentiell – es geht darum, seine eigenen Inhalte zu produzieren und eine eigene Marke zu kreieren. Social Media wird als Bühne genutzt. Es ist daher wichtig, Ruhepausen einzuhalten und Praktiken, wie das aktive Zuhören, zu trainieren.
Aus einem dauerhaften Konsumieren von Medieninhalten lassen sich vorrangig drei negative Folgen ableiten:
 
FOMO
Durch Social Media ist man dauerhaft im Vergleich mit anderen. Dieser (manchmal auch gesunde) Wettstreit kann durch die Flut an Informationen überhandnehmen. Andrew Przybylski von der University of Essex hat dieses noch junge Internetphänomen als soziale Angst definiert.
Was ist Fomo?
Fomo bedeutet fear of missing out und beschreibt das ungute Gefühl, lohnende Erfahrungen oder Events zu verpassen, die anderen gerade passieren. Oftmals wird dies durch Beiträge in den sozialen Medien hervorgerufen.
Woran erkenne ich FOMO?

  • Du hast das permanente Bedürfnis zu wissen, was deine Freunde gerade so treiben und wirst nervös, wenn du keine Kenntnis drüber hast oder keine aktuellen Posts angezeigt werden
  • Mitten in einem schönen Erlebnis überlegst du, wie du dieses auf Social Media teilen kannst
  • Deine Erlebnisse mit Freunden machen nicht mehr so viel Spaß und du schaffst es nicht, im Moment zu leben oder dich auf die gegenwärtige Situation einzulassen
  • Auf der Arbeit schaffst du es nicht eine Stunde am Stück zu arbeiten, da du regelmäßig dein Smartphone checken musst.
  • Du vergleichst dich viel mit Freunden oder Influencern und hast Angst, im Vergleich schlechter dazustehen
  • Du schaust häufig beim Essen auf dein Smartphone. Wenn Freunde oder Bekannte dich darauf ansprechen, reagierst du genervt

Falls mehrere dieser Eigenschaften auf dich zutreffen, empfiehlt sich eine Digital Detox-Woche (Weiter unten erfährst du ein paar Tipps hierzu).

 

Schlechter Schlaf
Beim Intervallfasten empfehlen wir 3-4 Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen, damit der Körper nicht mit der Verdauung beschäftigt ist. Allerdings ist es ebenso wichtig, seinen Geist zu beruhigen.

Entfremdung von uns Selbst und der Natur

Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
(Rilke)

Es klingt fast so, als hätte Rilke mit den Gitterstäben die unterschiedlichen Social Media Profile gemeint. Der innere Reichtum hingegen, den man bei ausgedehnten Spaziergängen oder beim Lesen eines Buches empfinden kann, scheint einem zu entgleiten. In den sozialen Medien wird oft den Anschein erweckt, anderen Menschen näher zu sein. Hier wird unser Bedürfnis angesprochen, in einer immer undurchschaubarer werdenden Welt eine gewisse Verbundenheit zu empfinden, indem wir uns mit Inhalten identifizieren. Aber anstatt Verbundenheit zu empfinden, ist meist das Gegenteil der Fall, schlimmstenfalls entfremdet man sich sogar von seiner Umwelt.
Also: Geh nach draußen an die frische Luft und sei aktiv, beginne ein neues Hobby, fahre Fahrrad oder sprich einfach mal einen Fremden an. Ein aufrichtiges Lächeln kann jemand anderem die ganze Welt bedeuten.
Ein schönes Beispiel war, als ich neulich auf einem Festival beobachten konnte, wie jemand einer jungen Mutter und ihrer Tochter einfach das Eis bezahlte, weil sie selbst kein Geld dabeihatten.

 

Wie kann Fasten mich beim Digital Detox unterstützen?

Nicht umsonst ist Digital Detox auch unter dem Namen „Digitales Fasten“ bekannt.
Durch das Fasten aktivierst du im Körper die Zellregenerierung, auch Autophagie genannt. Durch das Entgiften während des Fastens, entlastest du den ganzen Organismus und entschlackst deinen Darm. Die Darmgesundheit steht nicht zuletzt durch Bücher wie „Darm mit Charme“ im Fokus. Ein gestörter Darmhaushalt steht damit in Verbindung, Depressionen auszulösen.[4]
Wir empfehlen für den perfekten Start in eine Digital Detox-Woche, parallel mit einer Fastenwoche anzufangen. Diejenigen, denen eine Einarbeitung in das Thema zu komplex ist, können als Fastenhelfer eine Fastenbox ordern und zum Beispiel an einem unserer Online-Live-Fastenkurse teilnehmen. Empfehlenswert ist aber natürlich das Fasten in der Gemeinschaft. Hier kann man mit Gleichgesinnten eine gute Zeit verbringen. Bei Fastenwanderungen oder Yoga-Sessions ist man so eingebunden, dass man gar nicht in die Verlegenheit kommt, auf das Handy zu schauen.
Hier findest du eine Auswahl unserer Retreats, die das ganze Jahr über stattfinden:

https://fasteninfos.de/kurse-seminare/

 

Um bessere Routinen im Alltag zu entwickeln, hier die besten Tipps, wie du mit dem Digital Detox beginnen kannst:

  1. Mehr Mut zum Analogen

Einen echten Wecker nutzen und das Smartphone aus dem Schlafzimmer verbannen.
Smartphonefreie Räume schaffen und das Smartphone beim Essen ausschalten.
Eine Form der Entspannung ist bei mir das Kochen. Ich habe dabei immer gerne Rezepte immer auf dem Smartphone abgerufen. Für meine Allzeit-Favoriten bin ich dazu übergegangen, mit einem eigenen Rezeptbuch zu arbeiten oder einfach unser Fasteninfos-Kochbuch zu nutzen😉.

  1. Smartphone Nutzung optimieren:

Die einfachste und erste Maßnahme, die man immer im Hinterkopf behalten sollte, ist es, den Flugmodus einschalten oder das Smartphone auszuschalten.
Es gibt mittlerweile auch viele Apps, die einem die aktive Bildschirmzeit anzeigen. So ist man in der Lage, einen Überblick zu behalten und die Zeiten zu reduzieren. Am besten sollte man sich eine Woche Zeit nehmen und seine Verhaltensmuster analysieren.
Auch ist es empfehlenswert, den Nachtmodus im Smartphone zu aktivieren, um die schädlichen Blaulichtanteile zu reduzieren, die im Verdacht stehen, die Melatonin-Produktion zu schwächen.
TÜV Rheinland bietet diesbezüglich Zertifizierungen für Hersteller von Laptops an. Diese Displays reduzieren den Blaulichtanteil und sind besonders augenschonend, ohne die Farbwiedergabe zu verfälschen. Daher kann man beim Kauf auf das Eyesafe Siegel achten.[5]

  1. Meditation und Phantasiereisen oder Selbsthypnose

Der Bereich Meditation selbst ist mittlerweile schon viel besprochen worden und auch hier gibt es mittlerweile viele digitale Helfer und Apps. Aber nicht jeder kann etwas mit einer klassischen Meditation oder autogenem Training anfangen. Daher empfiehlt es sich, möglichst viel auszuprobieren. Das können Spaziergänge im Wald sein oder, was wir besonders spannend finden, die Schüttelmeditation – für die Aktiven unter uns.[6]

  1. Tricks vom Zen Meister:

Fokus, Konzentration und das Leben im Moment ist ein wichtiger Glaubenssatz im Zen-Buddhismus. Oft hilft es, zuerst etwas Sonne zu tanken und ein Glas Wasser mit Zitrone und Himalaya-Salz zu trinken. Durch das Visualisieren und Fokussieren unserer Umwelt ist die erste Regel nach dem Aufstehen, dass ich alle kleinen Stören-Herde in meinem Schlafzimmer sofort sehe, wie zum Beispiel Wäsche auf dem Stuhl, und diese beiseite räume. Also alle kleineren Probleme, die ich wahrnehme und innerhalb von 30 Sekunden erledigen kann, auch sofort umsetze. Meistens reicht dieser Fokus schon aus, gar nicht mehr daran zu denken. Der Zen Meister Shunmyu Masuno ist davon überzeugt, dass wir alle mit einem reinen Herzen zur Welt gekommen sind und das Putzen und Aufräumen ein Prozess ist, der unser Herz und unseren Verstand reinigt.[7]

 

  1. https://de.statista.com/infografik/27378/durchschnittliche-taegliche-nutzungsdauer-sozialer-medien-weltweit/
  2. https://www.dw.com/de/medienforscher-appel-narzissmus-und-social-media-in-selbstverst%C3%A4rkender-spirale/a-46365234
  3. https://www.suhrkamp.de/buch/influencer-t-9783518076408
  4. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2452231719300090
  5. https://www.displaydaily.com/article/display-daily/tuev-s-blue-light-secret-is-not-a-secret-any-more
  6. https://www.youtube.com/watch?v=RMsIxq_3wak
  7. https://www.droemer-knaur.de/buch/shunmyo-masuno-zen-magic-9783426292969